Entwicklungen, Spitzenbelastungen und zunehmende Dauer von AU-Fällen. Die Entwicklung arbeitsunfähigkeitsbedingter Fehlzeiten zeigt über die vergangenen Jahre ein klares Muster steigender Belastung. Die Fehlzeiten-Reports des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) dokumentieren seit Jahren eine kontinuierliche Zunahme der gemeldeten Arbeitsunfähigkeitstage und ‑fälle. Besonders für das Jahr 2024 wird bereits im Fehlzeiten-Report 2024 ein neuer Höchststand prognostiziert. Sowohl die Anzahl der AU‑Fälle als auch die AU‑Tage werden den Vorjahreswert voraussichtlich übertreffen – nicht zuletzt durch eine ausgeprägte Erkältungssaison, aber auch durch eine verbesserte Erfassung infolge der elektronischen Krankmeldung. Im historischen Vergleich zeigt sich damit eine Entwicklung, in der arbeitsunfähigkeitsbedingte Ausfallzeiten stetig zunehmen und Unternehmen wie Gesundheitsakteure vor wachsende Herausforderungen stellen.
Besonders deutlich wird dieser Trend in den drei häufigsten Indikationsgruppen: Muskuloskelettale Erkrankungen, psychische Erkrankungen und Atemwegserkrankungen. Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems gehören seit vielen Jahren zu den führenden Ursachen von Arbeitsausfällen und verursachen traditionell die meisten AU‑Tage. Atemwegserkrankungen tragen aufgrund ihrer hohen Fallzahlen erheblich zur Gesamtbelastung bei und haben in den letzten Jahren durch Infektionswellen und eine erhöhte Anfälligkeit der Bevölkerung noch weiter an Bedeutung gewonnen. Der Fehlzeiten-Report 2024 weist darauf hin, dass Atemwegserkrankungen neben muskuloskelettalen Diagnosen weiterhin zu den wichtigsten Treibern von Krankschreibungen zählen.
Noch dynamischer verläuft die Entwicklung im Bereich psychischer Erkrankungen. Die Fehlzeiten-Analysen zeigen hier einen besonders ausgeprägten und langfristigen Anstieg. Die AU‑Tage aufgrund psychischer Erkrankungen haben in den vergangenen zehn Jahren um rund 47 Prozent zugenommen (Stand: August 2024) und sind damit der am stärksten wachsende Diagnosebereich im Arbeitsunfähigkeitsspektrum. Zudem zeichnen sich psychische Erkrankungen durch besonders lange Fehlzeiten aus: Während ein Atemwegserkrankungsfall im Durchschnitt etwa 6,1 Tage dauerte, fehlten Beschäftigte mit psychischen Diagnosen durchschnittlich 28,1 Tage pro Fall – ein erheblicher Unterschied in der Belastungswirkung für Unternehmen wie auch für die betroffenen Beschäftigten.
Auch insgesamt zeigt die AU‑Dauer eine anhaltend steigende Tendenz. Der Fehlzeiten-Report 2025 dokumentiert für das Jahr 2024 durchschnittlich 23,9 Kalendertage Arbeitsunfähigkeit je AOK‑versicherter beschäftigter Person – ein weiterhin hoher Wert, der im längerfristigen Trend zugenommen hat. Parallel dazu steigt die Häufigkeit der Krankschreibungen: 2024 lag der Krankenstand mit 6,5 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorjahres, bleibt damit aber auf hohem Niveau und unterstreicht die zunehmende Belastung des Arbeitsmarktes durch krankheitsbedingte Ausfälle.
Die Kombination aus steigenden Fallzahlen, längeren Erkrankungsdauern und einem hohen Anteil langwieriger Verläufe – insbesondere im psychischen und muskuloskelettalen Bereich – verdeutlicht, dass Arbeitsunfähigkeit längst kein Randthema betrieblicher Gesundheitsstrategien mehr ist. Sie beeinflusst Produktivität, Personalplanung und wirtschaftliche Stabilität direkt und nachhaltig. Vor allem die starke Polarisierung zwischen kurzen und sehr langen Fehlzeiten, wie sie auch internationale Analysen beschreiben, zeigt, dass einzelne Langzeiterkrankungen einen erheblichen Anteil der gesamten Ausfalltage verursachen und damit einen wesentlichen Hebel für Prävention und Intervention darstellen.
Referenzen
Badura, D., Ducki, A., Meyer, M., Baumgardt, J., & Schröder, H. (2025). Fehlzeiten-Report 2025. KI und Gesundheit – Möglichkeiten nutzen, Risiken bewältigen, Orientierung geben. Springer Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-71885-8
Kernaussagen
- Historischer Anstieg der Fehlzeiten:
Arbeitsunfähigkeitstage und ‑fälle erreichen 2024 neue Höchststände; langfristig zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend in Häufigkeit und Dauer von Krankschreibungen.
- Drei dominierende Diagnosegruppen:
Muskuloskelettale Erkrankungen, psychische Erkrankungen und Atemwegserkrankungen stellen weiterhin die häufigsten und wirkmächtigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeiten dar.
- Zunehmende AU‑Dauer:
Psychische Erkrankungen führen mit durchschnittlich über 28 Tagen pro Fall zu besonders langen Ausfallzeiten; auch insgesamt steigt die durchschnittliche AU‑Dauer auf knapp 24 Kalendertage pro Person.
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